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Photokina 2016

Photokina 2016

Bin ich wirklich auf der Photokina 2016 oder vielleicht doch auf der Ambiente?

Mittwoch Morgen um sieben Uhr sitze ich in der Bahn nach Köln. Es ist Photokina 2016 und ein Besuch dort ist fast schon Pflicht. Nicht nur wegen der vielen Bekannten und Freunde in und um die Domstadt, sondern wegen der Fotografie selbst und den neuen Produkten auf der Messe. Mit der Erinnerung an die vergangenen Jahre freue ich mich auf die Messe. Der erste Eindruck am Eingang zeigt gähnende Leere. Ok, es ist 14 Uhr und der Ansturm auf die Kassen bestimmt schon vorbei.

Dekoartikel auf der Photokina 2016
Photokina 2016 – Deko oder Fotomesse

Beim betreten der ersten Halle drängt sich eine neue Frage in meinen Kopf. Bin ich wirklich auf der Photokina 2016 in Köln oder was soll das hier? Auf dem ersten Stand den ich betrete ist die „Deko-Hölle“, Tischsets, Kerzenständer, Servietten. An einer Seite sind ganze Wohnzimmer und Küchen ausgestellt. Überladen mit Deko in Hülle und Fülle. Selbst vorm Weihnachtsbaum wird nicht halt gemacht.
Ich beschliesse kurzfristig in eine andere Halle zu gehen um doch noch die Photokina zu finden. Um mich von dem Deko-Kram zu erholen gehe ich die langen Gänge bis zum anderen Ende der Messe. Hier musste ich dann feststellen, dass fünf der elf Hallen gar nicht mehr belegt sind. Also bleibt nur Halle 9. Rechter Eingang und das Drama nimmt weiter seinen Lauf. Hier kann man sich einen Rucksack nähen lassen, dort Tassen und was weiss ich noch bedrucken lassen, ein paar Meter weiter bekommt man goldene Kleberahmen für Abziehbildchen und ganz hinten auf einer Bühne zeigen selbsternannte Foto-Profis der fotocommunity wie man Bilder „schiesst“. Ich hab´ genug und suche weiter nach der Photokina 2016.

 

 

Mehr Dronen als die NSA erlaubt…

Dronen-Flugvorführung auf der Photokina 2016
Photokina 2016 – Dronenvorführung

Video ist ein immer grösserer Teil der Messe. Aktion Cams für Sportler, die immer kleiner werden. Ausgestattet mit immer besserer Bildstabilisation für jede Art von Extremsport. Mit immer höheren Auflösungen und hochwertigen Objektiven machen sie der herkömmlichen Fotokamera konkurenz. Mit viel Zubehör im Komplettset kann man in jeder Situation die Kamera „laufen“ lassen. Egal ob hoch über der Erde oder bis 60m tief im Wasser. Und mit ihrem geringen Gewicht sind sie optimal als ständiger Begleiter geeignet.
Ausserdem können sie, per Drone ferngesteuert, einfach in jede Position geflogen werden und so atemberaubende Fotos und Videos machen, die mit einem herkömmlichen Stativ unmöglich sind. Kein Wunder also, dass sich sehr viele Menschen dafür interessieren. Die Auswahl an Herstellern solcher Kameras ist allerdings gering. Zumindest bei den hochwertigen Kameras. Und genau so sieht es auch bei den Dronen aus. Korea und China sind zwar mit vielen Modellen am Start. Vertrauenserweckende Modelle, an die der Nutzer seine 500€ teure Kamera hängen würde, sind allerdings wenige dabei. Und so drängen sich die Massen an die Stände von GoPro, Sony und Co. In Fünferreihen hinter einer ausgestellten Kamera versuchen meist junge Menschen dem überforderten Personal Fragen zum Produkt zu stellen. Oder zumindest mal einen Blick vom neuesten Produkt zu erhaschen.
Bei der Konkurrenz aus Fernost hingegen herrscht gähnende Leere. Ob diese Produkte konkurrenzfähig sind wird erst gar nicht in Betracht gezogen.

 

Massenware auch bei den Ausstellungen

Wie die letzten Jahre waren die Gänge der Messe gespickt mit unterschiedlichen Ausstellungen. Nur die Qualität hat sich stark verändert. Im Gegensatz zu Früher hängen fast nur noch Fotografien aus Wettbewerben diverser Fotomagazine an den Wänden. Da sich hier jeder Amateur mit seinem „Werk“ bewerben kann und eine sogenannte „Fachjury“  die Fotos lobt, entsteht eine neue Ebene der Fotografie, die leider keinen Mehrwert hat aber es trotzdem an die Wände schafft. So reiht sich eine „Hobby-Ausstellung“ and die nächste.

Fotografien von Bruce Gildon in der Leica Gallerie - Photokina 2016
Photokina 2016 – Leica Gallerie – Bruce Gildon

Findet sich mal eine professioneller Ausstellung, ist das Genre immer das Gleiche. Themen finden sich in der Fotografie normalerweise zu Hauf, davon ist auf der Photokina 2016 aber nichts zu sehen. Hier dreht sich alles um die vermeintlich Schwachen. Jetzt kann ich bei den Fotografien von Bruce Gilden schlecht von Massenware reden und auch den anderen Fotografen in der Leica Gallerie würde ich damit unrecht tun. Auffallend ist aber, dass sich die Fotografie im Moment zunehmend nur mit Flüchtlingen, Krieg und Underdogs beschäftigt. Ob in Magazinen oder Grossformatig auf der Photokina 2016. Aber wie überall gab es auch auf der Photokina 2016 eine Ausnahme, die mich fasziniert hat. Die Fotografien von Fred Mortagne. Skater verlieren sich in ausdrucksstarken s/w-Aufnahmen aus Formen, Licht und Schatten. Auf ein Minimum reduziert brauchen diese Fotografien kein grosses Format um aufzufallen.

Fotografien von Fred Mortagne in der Leica Austellung - Photokina 2016
Photokina 2016 – Leica Gallerie – Fred Mortagne

Neue Kameras gab es auch…

Natürlich gab es auch jede Menge neue Kameras auf der Photokina 2016. Wirklich hervorheben kann ich allerdings nur zwei von ihnen. Und diese beiden Modelle feierten schon vor der Photokina 2016 ihre Geburtsstunden.
Als Fan der analogen Fotografie und ihrer Arbeitsweise gilt es die digitale Leica M-D zu erwähnen. Die vollformatige Kleinbild-Messsucher-Kamera kommt ohne ein Display daher. Eine Reduktion, die Fotografen aus analogen Zeiten sehr gut kennen, heute aber für die meisten Digital-Fotografen undenkbar ist. Fakt ist, dass diese Kamera wieder die Fotografie in den Vordergrund stellt und nicht das schnell geschossene, schnell kontrollierte Bild.
Der schwedische Kamera-Hersteller Hasselblad hat die X1D zum ersten Mal einem breitem Publikum vorgestellt. Als Wolf im Schafspelz kommt die neue Kamera daher. Klein wie eine Kompakt-Kamera ist sie mit einem fetten 50MP-Sensor ausgestattet und hat bis jetzt drei knackscharfe Objektive an der Seite. Die Bedienung ist über Touch-Screen einfach zu handhaben und ein excellenter elektronischer XGA-Sucher sorgt für eine helle und scharfe Darstellung des Bildes. Eine geniale kleine Kamera für aussergewöhnlich präzise Mittelformat-Aufnahmen.

Viel Neues gab es auf der Photokina 2016 nicht zu entdecken und so stellt sich für mich die Frage, ob es sich in zwei Jahren lohnt, nochmal den Weg nach Köln zu machen. Obwohl, abseits der Messe Freunde treffen, mal wieder Köln, die alte Heimat, geniessen und ein paar Tage nur der Fotografie zu widmen, kann auch in zwei Jahren wieder wunderbar sein.

Bilder, die es über´s Sofa schaffen

Einladung zur Vernissage

Vernissage Bilder, die es über´s Sofa schaffen

 

Am Freitag den 24.06.2016 um 18:30 Uhr ist es endlich so weit. „Bilder, die es über´s Sofa schaffen“ sind in den Ausstellungsräumen von Eva Müßener Consulting in der Bamberger Straße 55 in Berlin-Schöneberg zu sehen.

Gemeinschaftsausstellung von 16 Künstlern aus Berlin

Künstler aus verschiedenen künstlerischen Betätigungsfeldern zeigen ihre aktuellen Arbeiten. Malerei, Collagen, Zeichnungen, Druckgrafik und Fotografie auf engem Raum zusammen.

Siiri Rantanen – Die Grande Dame des finnischen Skisports

Siiri Rantanen – Die Grande Dame des finnischen Skisports

Siiri Rantanen ist die Gewinnerin der ersten Olympischen Goldmedaille für Finnland überhaupt. Dafür hat das skandinavische Land ihr ein Denkmal vor dem Skistadion in Lahti gesetzt.

 

Siiri Rantanen - Ski-Legende
Siiri Rantanen – Ski-Legende

Zusammen mit Tarja Närhi von Radio Suomi mache ich mich auf den Weg nach Norden. Auf einer nicht enden wollenden, geradeaus führenden Autobahn geht es nach Lahti. Dort am Skistadion treffen wir Siiri Rantanen. Für mich ist sie eine Unbekannte, in Finnland aber kennt sie jeder. Sie ist so berühmt, dass es sogar ein Denkmal für sie gibt. Am Skistadion. Und genau dort will sie Portraitiert werden. Sie und ihr Denkmal. Da ich weder sie kannte, noch jemals am Skistadion war, konnte ich mir viele Situationen ausmalen, wie das Foto aussehen soll, letztendlich kam alles anders.

Um die Skiarena war nur Tristesse

Als wir uns dem Skistadion näherten sah ich nur triste, karge Hänge, Steinfelder, kein Baum nicht mal ein Grasshalm hier und da. Vom Stadion sah ich nur die monotone Aussenfassade und in der anderen Richtung vom Skistadion weg standen nur die für Finnland typischen Wohnblocks. Einen ansprechenden Hintergrund ausser diesem Denkmal gab es also nicht. Mir blieb nur eins übrig: lange Brennweite, offene Blende – Unschärfe.

Pünktlich auf die Minute war Siiri Rantanen dort. Eine kleine, zierliche Frau von 165cm Körpergröße mit kurzem, schütterem Haar, mit dem der kalte Wind machte was er wollte. Eingehüllt in eine feine Daunenjacke in weiß trotze sie der kalten Temperaturen.

„Ihr Englisch sei nicht so gut“ meinte sie gelassen und redete freundlich auf Finnisch weiter. Zum Glück war Tarja mitgekommen, so konnte sie alles wichtige übersetzen. Ich hörte den beiden Frauen gespannt zu, obwohl ich kaum ein Wort Finnisch verstehe, und beobachtete Siiri Rantanen dabei. Mehr und mehr gab sie beim Reden und mit ihrer Körpersprache von sich preis. Ich entdeckte eine große Dame in ihr, die aber immer noch für jeden Spaß zu haben scheint.

Ein Denkmal als Hintergrund

Wir gingen Zusammen die wenigen Meter zu ihrem Denkmal hinauf und sie erzählte von ihrem Sport, der Mannschaft mit der sie Gold gewonnen hat, das ihre Mannschaftskolleginen sie freundlich „Mutti“ genannt haben, weil sie fast doppelt so alt war, von den olympischen Winterspielen an denen sie dreimal teilgenommen hat und vieles mehr.
Mittlerweile hatte ich meine Hasselblad zusammengebaut und die Filmkassetten mit s/w Film geladen. Ich probierte mögliche Perspektiven für die Inszenierung aus und bat Siiri sich an einen bestimmte Punkt zu stellen. Noch ein bisschen nach links, etwas tiefer und ich hatte den Ausschnitt gefunden. Ich war bereit, sagte aber noch nichts. Ich beobachtete Siiri während sie sich mit Tarja unterhielt, vielleicht kommt noch die eine, unerwartete Geste, die ich einfangen könnte.
Und dann kam er, der eine Moment. Welches Gespächsthema gerade war, weiss ich nicht, vielleicht etwas über Lahti, egal. Sie drehte den Kopf nach links, blickte in die Ferne auf die vor ihr liegende Stadt und streckte nur ganz kurz der Stadt die Zunge raus – dadumm – die erste Belichtung war auf Film gebannt. Nach dem Geräuch der Kamera wusste Siiri, das ich bereit war und gab sich sicher wie ein Medienprofi vor der Kamera. Ich wusste aber, dass ich den einen Schuss im Kasten hatte und konnte nur noch hoffen, das Belichtung, Perspektive und Schärfe auch wirklich passen.

 Eine Vitrine voller Pokale und Medaillen – dazu Apfelstrudel

Alles war schon wieder eingepackt und wir wollten uns schon verabschieden, da lus uns Siiri noch zu Kaffee und Kuchen zu ihr nach Hause ein. Das konnten wir auf keinen Fall ablehnen, also gingen wir zu Fuss zu ihrer Wohnung. „Es ist gar nicht weit“ sagte Siiri Rantanen zu uns und maschierte schnellen Schrittes, der so manchen Jugendlichen erblassen lässt, durch die Straßen Lahtis. Auch sie wohnt in einem dieser finnischen „Systemhäusern“, die ein bisschen an die sozialistischen Plattenbauten erinnern. Nur sind sie in Finnland etwas schöner Verpackt und mit Sauna ausgestattet.
Bei ihr angekommen zeigt sie mit Stolz ihre Medaillen, ob olympisch oder von Weltmeisterschaften, Pokale von Rennen aus der ganzen Welt, ein ganzer, riessiger Schrank voll. Und noch immer geht sie auf Medaillienjagt. Dann zeigt sie uns einen Ausschnitt aus ihrem täglichen Fitness-Programm. Wir staunen nicht schlecht was diese Dame, Jahrgang 1924, noch so alles drauf hat, Expander biegen, Gewichte stemmen, SitUps, Beine hoch und jeden Tag laufen. Chapeau!

Nach dem Genuß von lecker Apfelstrudel, natürlich selbst gemacht, Kaffee und Vollmilch für mich war der Nachmittag sehr schnell vergangen und es wurde Zeit sich zu verabschieden. Eine sehr interessante Begegnung mit einer beindruckenden Frau ging zu Ende. Ich kann nur hoffen, dass sie noch lange so weiter machen kann.
Alles Gute und vielen Dank an Siiri Rantanen.