Bilder, die es über´s Sofa schaffen

Einladung zur Vernissage

Vernissage Bilder, die es über´s Sofa schaffen

 

Am Freitag den 24.06.2016 um 18:30 Uhr ist es endlich so weit. „Bilder, die es über´s Sofa schaffen“ sind in den Ausstellungsräumen von Eva Müßener Consulting in der Bamberger Straße 55 in Berlin-Schöneberg zu sehen.

Gemeinschaftsausstellung von 16 Künstlern aus Berlin

Künstler aus verschiedenen künstlerischen Betätigungsfeldern zeigen ihre aktuellen Arbeiten. Malerei, Collagen, Zeichnungen, Druckgrafik und Fotografie auf engem Raum zusammen.

Siiri Rantanen – Die Grande Dame des finnischen Skisports

Siiri Rantanen – Die Grande Dame des finnischen Skisports

Siiri Rantanen ist die Gewinnerin der ersten Olympischen Goldmedaille für Finnland überhaupt. Dafür hat das skandinavische Land ihr ein Denkmal vor dem Skistadion in Lahti gesetzt.

 

Siiri Rantanen - Ski-Legende
Siiri Rantanen – Ski-Legende

Zusammen mit Tarja Närhi von Radio Suomi mache ich mich auf den Weg nach Norden. Auf einer nicht enden wollenden, geradeaus führenden Autobahn geht es nach Lahti. Dort am Skistadion treffen wir Siiri Rantanen. Für mich ist sie eine Unbekannte, in Finnland aber kennt sie jeder. Sie ist so berühmt, dass es sogar ein Denkmal für sie gibt. Am Skistadion. Und genau dort will sie Portraitiert werden. Sie und ihr Denkmal. Da ich weder sie kannte, noch jemals am Skistadion war, konnte ich mir viele Situationen ausmalen, wie das Foto aussehen soll, letztendlich kam alles anders.

Um die Skiarena war nur Tristesse

Als wir uns dem Skistadion näherten sah ich nur triste, karge Hänge, Steinfelder, kein Baum nicht mal ein Grasshalm hier und da. Vom Stadion sah ich nur die monotone Aussenfassade und in der anderen Richtung vom Skistadion weg standen nur die für Finnland typischen Wohnblocks. Einen ansprechenden Hintergrund ausser diesem Denkmal gab es also nicht. Mir blieb nur eins übrig: lange Brennweite, offene Blende – Unschärfe.

Pünktlich auf die Minute war Siiri Rantanen dort. Eine kleine, zierliche Frau von 165cm Körpergröße mit kurzem, schütterem Haar, mit dem der kalte Wind machte was er wollte. Eingehüllt in eine feine Daunenjacke in weiß trotze sie der kalten Temperaturen.

„Ihr Englisch sei nicht so gut“ meinte sie gelassen und redete freundlich auf Finnisch weiter. Zum Glück war Tarja mitgekommen, so konnte sie alles wichtige übersetzen. Ich hörte den beiden Frauen gespannt zu, obwohl ich kaum ein Wort Finnisch verstehe, und beobachtete Siiri Rantanen dabei. Mehr und mehr gab sie beim Reden und mit ihrer Körpersprache von sich preis. Ich entdeckte eine große Dame in ihr, die aber immer noch für jeden Spaß zu haben scheint.

Ein Denkmal als Hintergrund

Wir gingen Zusammen die wenigen Meter zu ihrem Denkmal hinauf und sie erzählte von ihrem Sport, der Mannschaft mit der sie Gold gewonnen hat, das ihre Mannschaftskolleginen sie freundlich „Mutti“ genannt haben, weil sie fast doppelt so alt war, von den olympischen Winterspielen an denen sie dreimal teilgenommen hat und vieles mehr.
Mittlerweile hatte ich meine Hasselblad zusammengebaut und die Filmkassetten mit s/w Film geladen. Ich probierte mögliche Perspektiven für die Inszenierung aus und bat Siiri sich an einen bestimmte Punkt zu stellen. Noch ein bisschen nach links, etwas tiefer und ich hatte den Ausschnitt gefunden. Ich war bereit, sagte aber noch nichts. Ich beobachtete Siiri während sie sich mit Tarja unterhielt, vielleicht kommt noch die eine, unerwartete Geste, die ich einfangen könnte.
Und dann kam er, der eine Moment. Welches Gespächsthema gerade war, weiss ich nicht, vielleicht etwas über Lahti, egal. Sie drehte den Kopf nach links, blickte in die Ferne auf die vor ihr liegende Stadt und streckte nur ganz kurz der Stadt die Zunge raus – dadumm – die erste Belichtung war auf Film gebannt. Nach dem Geräuch der Kamera wusste Siiri, das ich bereit war und gab sich sicher wie ein Medienprofi vor der Kamera. Ich wusste aber, dass ich den einen Schuss im Kasten hatte und konnte nur noch hoffen, das Belichtung, Perspektive und Schärfe auch wirklich passen.

 Eine Vitrine voller Pokale und Medaillen – dazu Apfelstrudel

Alles war schon wieder eingepackt und wir wollten uns schon verabschieden, da lus uns Siiri noch zu Kaffee und Kuchen zu ihr nach Hause ein. Das konnten wir auf keinen Fall ablehnen, also gingen wir zu Fuss zu ihrer Wohnung. „Es ist gar nicht weit“ sagte Siiri Rantanen zu uns und maschierte schnellen Schrittes, der so manchen Jugendlichen erblassen lässt, durch die Straßen Lahtis. Auch sie wohnt in einem dieser finnischen „Systemhäusern“, die ein bisschen an die sozialistischen Plattenbauten erinnern. Nur sind sie in Finnland etwas schöner Verpackt und mit Sauna ausgestattet.
Bei ihr angekommen zeigt sie mit Stolz ihre Medaillen, ob olympisch oder von Weltmeisterschaften, Pokale von Rennen aus der ganzen Welt, ein ganzer, riessiger Schrank voll. Und noch immer geht sie auf Medaillienjagt. Dann zeigt sie uns einen Ausschnitt aus ihrem täglichen Fitness-Programm. Wir staunen nicht schlecht was diese Dame, Jahrgang 1924, noch so alles drauf hat, Expander biegen, Gewichte stemmen, SitUps, Beine hoch und jeden Tag laufen. Chapeau!

Nach dem Genuß von lecker Apfelstrudel, natürlich selbst gemacht, Kaffee und Vollmilch für mich war der Nachmittag sehr schnell vergangen und es wurde Zeit sich zu verabschieden. Eine sehr interessante Begegnung mit einer beindruckenden Frau ging zu Ende. Ich kann nur hoffen, dass sie noch lange so weiter machen kann.
Alles Gute und vielen Dank an Siiri Rantanen.